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Totentanz. Arbeiten von Georg Bernhard

23. September 2011 - 27. November 2011




Titelbild zur Sonderausstellung Totentanz. Arbeiten von Georg Bernhard

Wohl unter dem Eindruck der mittelalterlichen Pestepidemien entstanden zyklische Darstellungen eines Reigentanzes, den der als Skelett auftretende Tod mit den Vertretern der verschiedenen Lebensalter, Geschlechter und Stände aufführt. Während zunächst die Friedhofsmauern mit diesen Szenen bemalt wurden (Basel um 1440; Bern, um 1517), suchte und fand das Thema später Eingang in die Kirchen selbst (Lübeck/ Marienkirche, 1463; Berlin/ Marienkirche, um 1484). Auch in graphischen Werken schlug es sich nieder (Hans Holbein der Jüngere, 1525), wo es dann oft mit moralisierenden Texten ergänzt wurde.

Auch wenn das Sujet nie ganz in Vergessenheit geriet (Dresden, Relief urspr. am Georgentor, 1534; Füssen um 1600; Wondreb, Ende 17. Jh.; Babenhausen, 1722; Straubing/ St. Peter 1763), erlebte der Totentanz seit dem 19. Jahrhundert eine gewaltige Renaissance. Grund waren vor allem die schrecklichen Erfahrungen der Kriege. Damals begeisterte man sich nicht nur an den mittelalterlichen Vorlagen, sondern begann auch in allen Bereichen der Kunst neue Totentänze zu kreieren. Alfred Rethel 1848, Wilhelm von Kaulbach, Max Klinger und viele andere schufen neue Zyklen. Diese Bewegung setzt sich bis in unsere Zeit fort. Für umfangreichere Zyklen sind hier Namen wie Max Slevogt 1896, Albin Egger-Lienz 1909, Otto Dix 1917, Lovis Corinth 1921, Alfred Kubin 1947, HAP Grieshaber 1966, Alfred Hrdlicka um 1970, Markus Lüpertz um 1990 und andere zu nennen.

Aber auch in der Literatur (Johann Wolfgang von Goethe 1817, August Strindberg 1901, Ödön von Horvath 1932, Marie-Luise Kaschnitz 1947, Bert Brecht 1948) und in der Musik (Franz Liszt 1849, Johannes Brahms 1864, Hugo Distler 1934, Wilfried Hiller 1992/ 93) fand das Thema vielfältigen Niederschlag.

Georg Bernhard steht mit seinem sich über mehrere Jahre hin erstreckenden Zyklus also in einer langen und durchaus bedeutenden Kette wieder. Allerdings war persönliche Betroffenheit der Ausgangspunkt für das Werk, das auch den Betrachter betroffen macht, weil es ihn drängend zum Mittanzen auffordern will.