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Das Osterbild des Reichenauer Evangelistars

Das Diözesanmuseum St. Afra in Augsburg verwahrt eine kostbare Handschrift aus dem ersten Viertel des 11. Jahrhunderts die im ehemaligen Benediktinerkloster Reichenau geschrieben und mit Miniaturen ausgestattet wurde. Sie gehört zu den bedeutendsten Kunstwerken der ottonischen Zeit.

Im Augsburger Evangelistar - ein Buch, das nicht die vollständigen Evangelien, sondern nur die Abschnitte enthält, die vor allem an Sonn- und Festtagen im Gottesdienst verlesen werden - befinden sich 19 ganzseitige Miniaturen, wovon acht Initialen und elf biblische Szenen darstellen.
Auch die Lesung zum Ostersonntag (Mk 16,1-7) wird von einer Miniatur eingeleitet. Gezeigt ist hier die Auferstehung Christi (fol. 51v) in Form der drei Frauen, Maria von Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus und Maria Salome, am leeren Grab Christi. In einer Architekturkulisse mit zwei Säulen zwischen denen sich ein Korbbogen mit vegetabilen Motiven und Schwänen spannt, steht mittig das Grab Christi. In den Zwickeln des Bogens erscheinen vor rotem Grund zwei Vögel im Rankenwerk. Innerhalb der rahmenden Architektur wechselt der Maler vom roten Hintergrund zum erlesenen Goldgrund und zeigt das Grab Christi als quadratischen Baukörper. Durch die offene Türe sieht man zwei zusammengeknotete Tücher, die Leinenbinden und das Schweißtuch (Joh 20,5-7), die darauf verweisen, dass Christus bereits auferstanden ist. Die Frohe Botschaft verkündet rechts ein auf einem grünen Sarkophag sitzender, geflügelter Engel. Er trägt - wie die Evangelien vermelden (Mt 28,3; Mk 16,5) - eine weiße Tunika und spricht mir ausgestreckter Rechter zu den drei Marien, die links vom Grab stehen. Dabei wird die dritte Figur von den Frauen vorne verdeckt; von ihr ist nur das Gesicht zu sehen. Alle drei halten ein Salbgefäß in ihren Händen. Die erste Figur mit rotem Mantel wendet sich zu ihren Begleiterinnen um und verweist auf das leere Grab. Auch die Grabwächter (Mt 28,4) sind in das Auferstehungsbild integriert worden. Sie werden im Schlaf versunken hinter dem Dach des Grabgebäudes gezeigt.

Wenn auch nicht belegbar, so spricht doch einiges dafür, dass die Handschrift von Beginn an dem Augsburger Dom gehörte:
Nicht nur bei der Darstellung der Auferstehung ist die Handschrift den Bildern im Evangelistar-Teil der Bamberger Apokalypse ikonografisch und stilistisch nächst verwandt. Die Miniaturmaler schöpfen sicher aus derselben Vorlage. Die Bamberger Apokalypse entstand für das 1009 von Kaiser Heinrich II. gegründete Kanonikerstift St. Stephan. Der Kaiser setzte seinen Bruder Brun als Bischof von Augsburg ein in dessen Amtszeit (1006-1029) der Domneubau von 995 vollendet wurde. Dies geschah um das Jahr 1006, denn in dieser Zeit wurde eine neue Bischofsgrablege für Liutold († 996), Gebhard († 1000) und Siegfried († 1006) geplant, die nun erstmalig in einem gemeinsamen Grab in der Nähe des Westchors des Augsburger Domes und nicht mehr in St. Ulrich und Afra beigesetzt wurden, wie das bei den Vorgängern der Fall war. Bruns Bruder Heinrich II. feierte 1009 außerdem das Osterfest in Augsburg, vielleicht ein weiterer Beleg für die Fertigstellung des Domneubaus noch im ersten Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts, zu dem sicher nicht nur die Bronzetüren, sondern auch liturgische Bücher gehörten. Es liegt nahe, anzunehmen, dass das Reichenauer Evangelistar zu diesem Zweck bestellt worden ist, sei es als kaiserliche Schenkung, sei aus Mitteln des Bischofs selbst.

MT

 

Foto: Alberto Luisa

Reichenauer Evangelistar, Auferstehung Christi, fol 51v (Foto: Alberto Luisa)
Reichenauer Evangelistar, Auferstehung Christi, fol 51v (Foto: Alberto Luisa)
Reichenauer Evangelistar, Grabengel, fol 51v (Foto: Alberto Luisa)
Reichenauer Evangelistar, Grabengel, fol 51v (Foto: Alberto Luisa)
Reichenauer Evangelistar, Grabwächter, fol 51v (Foto: Alberto Luisa)
Reichenauer Evangelistar, Grabwächter, fol 51v (Foto: Alberto Luisa)
 

Diözesanmuseum St. Afra
Kornhausgasse 3–5
86152 Augsburg
Telefon: 0821/3166-8833
museum.st.afra@bistum-augsburg.de

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