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Weiße Kasel

Die Sammlung des Diözesanmuseums St. Afra enthält einige bedeutende Textilien. Darunter befindet sich beispielsweise eine weiße Kasel, die im Folgenden vorgestellt wird.

Doch was ist eine Kasel? Welche Bedeutung und Funktion hat sie? Sie ist das Messgewand der Priester und Bischöfe. Die Bezeichnung "casula" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt "Zelt" oder "Häuschen". Damit erinnert die Kasel an das Zeltheiligtum (Stiftszelt, Stiftshütte), das die Israeliten während ihrer Wüstenwanderung mit sich führten und in dem sie die Bundeslade aufbewahrten. Die Messgewänder haben, je nach liturgischem Anlass, unterschiedliche Farben. Es gibt weiße, rote, grüne, violette, rosa, blaue oder schwarze Kaseln. Das weiße Messgewand wird zu den Hochfesten wie Weihnachten oder Ostern getragen.

Die aus weißem Seidendamast und mit Stickereien in verschiedenen Techniken verzierte Kasel beeindruckt durch die malerische Wiedergabe verschiedener Blumen und Früchte sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite. Die Anfertigung einer Kasel mit Blumen und Früchten soll das Paradies widerspiegeln und auf die Natur verweisen. Deshalb lässt sich auch die prachtvolle Gestaltung erklären. Zum Teil sind die Blumen und Früchte höchst naturalistisch, in manchen Motiven aber auch stark stilisiert wiedergegeben. Die Rückseite wurde immer aufwendiger gestaltet, weil dies die "Schauseite" war und der Priester früher am Hochaltar mit dem Rücken zum Volk zelebrierte.

Die dargestellten Blumen können christologisch und marianisch gedeutet werden. So stehen die Päonien (Pfingstrosen) beispielsweise für Maria, die als eine Rose ohne Dornen angesehen wird. Die roten Nelken sind ein Symbol der wahren und reinen Liebe, die Maria verkörpert. Die Veilchen stehen für die Demut Marias. Die rote Rose auf der Rückseite der Kasel kann als Hinweis auf die Anteilnahme der Gottesmutter an Christi Leiden und Sterben gedeutet werden. Des Weiteren sind zwei Sonnenblumen auf der Kasel zu sehen. Zum einen können diese als Zeichen für Christus stehen. Zum anderen wurde die Sonnenblume zu einem Bild Mariens als vollendete christliche Seele. So wie sich die Sonnenblume im Lauf des Tages nach der Sonne ausrichtet, richtet sich Maria an Christus aus, der die Sonne ist.

Neben den zahlreichen Blüten und Früchten sticht die zentral dominierende blaue Traube auf der Rückseite der Kasel, die nicht wie die anderen Motive in Nadelmalerei, sondern in Gobelinstich gefertigt wurde, ins Auge. Nach altchristlicher Vorstellung gilt Maria als Weinrebe aus der Jesus Christus als göttliche Weintraube hervorging. So schreibt der Kirchenvater Johannes Damascenus (675-749): "Von der heiligen Jungfrau haben wir die Traube des Lebens empfangen". Somit kann die Traube als Jesus Christus identifiziert werden, was wiederum die einzigartige Gestaltung und Größe erklärbar macht.

                                                                                                                               VJ

Fotos: Undine Fischer

Weiße Kasel, Vorderseite, um 1750, Foto: U. Fischer
Weiße Kasel, Rückseite, um 1750, Foto: U. Fischer

Diözesanmuseum St. Afra
Kornhausgasse 3–5
86152 Augsburg
Telefon: 0821 3166-8833
museum.st.afra@bistum-augsburg.de

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