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Votivtafel zum Wunderbarlichen Gut von Heilig Kreuz

Da im Rahmen der Sanierung des Diözesanmuseums St. Afra die Vitrine, in der normalerweise unser besonderes Kunstwerk gezeigt wird, nicht zur Verfügung steht, stellen wir dieses Mal ein Objekt vor, das sich in unserer nächsten Ausstellung "König, Bürger, Bettelmann. Treffpunkt Heilig Kreuz in Augsburg" 2019 wiederfinden wird und schon die Vorfreude darauf wecken soll. Normalerweise befindet sich diese Votivtafel in der Schneckenkapelle von St. Ulrich und Afra in Augsburg.

Votivbilder dienten seit jeher als Bitt- und Dankzeichen an heiligen Stätten. Der Gläubige bringt seinen Dank nach erfahrener Hilfe aus körperlicher oder seelischer Not, Krankheit, Gefahr, Krieg, Unglück von Mensch und Tier durch ein gemaltes Bild zum Ausdruck. In der katholischen Kirche waren besonders in der Barockzeit Votivbilder verbreitet, welche eine Notsituation darstellten und mit dem schriftlichen Hinweis ex voto (lat. 'auf Grund eines Gelübdes', von votum, 'Gelübde') versehen waren, wie es auch bei diesem Bild der Fall ist. Vor allem an Wallfahrtsorten sammelten sich zahlreiche Votivbilder an. Da Heilig Kreuz in früherer Zeit ein bekannter Wallfahrtsort war, befanden sich dort zahlreiche Votivbilder an das Wunderbarliche Gut, wie aus vielen Wunderberichten und Archivalien hervorgeht. Allerdings hat davon nur ein Bild des 19. Jahrhunderts die Zeiten überdauert. Interessanterweise haben sich aber in der Basilika St. Ulrich und Afra in der doch etwas abgelegenen und beinahe in Vergessenheit geratenen Schneckenkapelle mit ihrem Gnadenbild Votivbilder erhalten, auf denen oft neben der Madonna auch das Wunderbarliche Gut von Hl. Kreuz zu finden ist. Dies ist auch auf diesem Hinterglasbild der Fall. Das Votivbild ist ein somit nicht nur ein Zeuge der damaligen Frömmigkeit, sondern auch ein bildlich dargestelltes Gebet.

In einer geschwärzten, nach außen abfallend profilierten Leiste mit feinem goldenen Rand nach innen zu sitzt das Hinterglasbild, das in der oberen rechten Ecke zwei Sprünge aufweist. Es zeigt in der oberen Hälfte gleich drei Gnadenbilder, zu denen sich die Votantin offensichtlich verlobt hatte: die Madonna der Schneckenkapelle in St. Ulrich und Afra in prächtigen Gewändern mit flacheren Kugelkronen und behängt mit Rosenkränzen, das Kind mit einem Votivherz auf der Brust; das detailgetreu wiedergegebene Wunderbarliche Gut von Hl. Kreuz mit weißem Mantel, und die Hl. Afra. Sie stehen - unverhältnismäßig in den Proportionen - auf einem dichten Wolkentuff, eine Verbindung zwischen den beiden Zonen schafft das runde Christusmonogramm unter der Madonna in einem Sonnenrahmen. In der unteren Hälfte erscheint auf einer schräggestellten Bretterbühne eine auf einer Chaiselongue mit geschweiftem Fußbrett ruhende weißgekleidete Frau, den Blick unter dem mit hellblauem Band gebundenen Rüschenhäubchen gen Himmel gewandt. Um ihre Hände, die zusammen zu finden versuchen, ist ein schlichter Rosenkranz gewunden, davor steht ein Tisch mit bis zum Boden hängender stoffreicher Decke, auf dem verschiedene Utensilien stehen, die den Ernst der gesundheitlichen Situation der Kranken veranschaulichen sollen: ein Trinkglas, ein Medizinfläschchen, ein Löffel auf einem kleinen Teller, ein aufgeschlagenes Gebetbuch und Papier, Feder und Tinte, wohl um den letzten Willen zu verfassen. Unten finden sich zwei Inschriften, links: Maria Cresc(e)ntia Kentnerin (?) - Josepher (?) Wirtin von Hier, rechts: EX VOTO 1805.

Votivtafel vom Wunderbarlichen Gut von Heilig Kreuz (Foto: Norbert Liesz)
Votivtafel vom Wunderbarlichen Gut von Heilig Kreuz, Foto: Norbert Liesz
Votivtafel vom Wunderbarlichen Gut von Heilig Kreuz, Detail (Foto: Norbert Liesz)
Votivtafel vom Wunderbarlichen Gut von Heilig Kreuz, Foto: Norbert Liesz

Auferstehungskreuz

Da im Rahmen der Sanierung des Diözesanmuseums St. Afra die Vitrine, in der normalerweise unser besonderes Kunstwerk gezeigt wird, nicht zur Verfügung steht, stellen wir dieses Mal ein Objekt aus unserem Depot vor.

 

Dieses in äußerst filigraner (Elfenbein-?)Schnitzarbeit ausgeführte Kreuz (DMA 3677) ist nach koptischen Vorbildern aus dem 12. Jahrhundert gefertigt. Während der Rahmen mit vergoldeten Flechtbandeinlegearbeiten verziert ist, zeigen die Schnitzereien verschiedene Szenen aus dem Neuen Testament. Die in einzelne Segmente eingeteilten Szenen zeigen (von unten nach oben) die Höllenfahrt Christi, Jesu Heilung eines Blinden, die Kreuzigung Christi, die Himmelfahrt Christi sowie (von links nach rechts) die Auferweckung des Lazarus und die Geschichte des ungläubigen Thomas.

 

Die Darstellung der "Anasthasis" bzw. Höllenfahrt Christi zeigt den hinabgestiegenen Christus der Tradition entsprechend auf den zerschlagenen Pforten der Unterwelt stehend, von wo er Adam zu seiner Rechten und Eva zu seiner Linken die Hand reicht, um sie als erste der Erlösten aus der Unterwelt heraus zu führen. Hinter den beiden Stammeltern aller Menschen sind weitere, der Tracht nach als Könige und Priester zu identifizierende Menschen zu erkennen. Über dem Haupt Christi befindet sich die Darstellung eines Seraph, wohl in Anspielung auf Jes 6,1-7 und Offb 4,1-11, mit Verweis auf die Johannes-Apokalypse.

Jesu Heilung eines Blinden rekurriert entweder auf das Markus-Evangelium oder das Johannes-Evangelium, worauf die Art der Darstellung - Jesus berührt die Augen des Blinden - schließen lässt. So heißt es etwa bei Mk 8,23: "Er nahm den Blinden bei der Hand, führte ihn vor das Dorf hinaus, bestrich seine Augen mit Speichel, legte ihm die Hände auf und fragte ihn: Siehst du etwas?" Bei Joh 9,6 hingegen heißt es: "Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen."


Die Kreuzigung Christi, welche das Zentrum aller sechs Darstellungen bildet, zeigt den Gekreuzigten zwischen den zu seiner Linken angeordneten römischen Soldaten und der zu seiner Rechten stehenden Gefolgschaft, angeführt von Maria und Johannes. Den Hintergrund ziert - ebenso wie bei den drei angrenzenden Szenen - eine stadtähnliche Silhouette mit von Türmen bekrönten Torbögen.

 

Die Himmelfahrt Christi zeigt Christus, von einer Mandorla umfasst und auf einer Wolke schwebend, inmitten zweier Engel stehend. Die Darstellung steht damit in der Tradition orthodoxer Glaubensbücher, wo von zwei leuchtenden Engeln die Rede ist, welche zu den das Geschehen beobachtenden Jüngern sagten: "was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen." (Apg 1,11) Die links und rechts unter Christus dargestellten Jünger halten, zum Schutze vor dem gleißenden Licht, die Hände vor ihr Gesicht.

Die Auferweckungsszene zeigt Lazarus im Begriff aus seinem Grab herauszusteigen. Vor ihm befindet sich sehr wahrscheinlich seine Schwester Marta, die auf Anweisung Christi hin den Stein zum Grab entfernt hatte. Hinter Christus sind weitere Figuren angeordnet, bei denen es sich wohl um die Apostel handelt, allen voran Thomas, der "Zwilling", der mit Christus mitzog.

Die Geschichte um den ungläubigen Thomas zeigt ihn, wie er seinen Finger in Christi Seitenwunde legt, während beide von den übrigen Aposteln umringt sind. Das alle Szenen einende Thema ist das der Auferstehung. Es spielt auch in den Heilungs- bzw. Auferweckungsszenen die zentrale Rolle, so etwa bei der Darstellung der Erweckung des Lazarus, wo es im Johannesevangelium (Joh 11,25-26) heißt: "Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben."

Auferstehungskreuz, DMA 3677
Auferstehungskreuz, DMA 3677
Auferstehungskreuz, Detail mit Kreuzigung, DMA 3677
Auferstehungskreuz, Detail mit Kreuzigung, DMA 3677
Auferstehungskreuz, Detail mit Himmelfahrt Christi, DMA 3677
Auferstehungskreuz, Detail mit Himmelfahrt Christi, DMA 3677
Auferstehungskreuz, Detail mit Höllenfahrt Christi, DMA 3677
Auferstehungskreuz, Detail mit Höllenfahrt Christi, DMA 3677

Liturgische Geräte aus der Sonderausstellung „Zeichen des Aufbruchs“

Vitrine mit liturgischen Geräten in der Sonderausstellung "Zeichen des Aufbruchs"; Diözesanmuseum St. Afra, Foto: Norbert Liesz
Vitrine mit liturgischen Geräten in der Sonderausstellung Zeichen des Aufbruchs

Die Sonderausstellung "Zeichen des Aufbruchs" (23. November 2017 bis 11. März 2018) beschäftigte sich zwar in erster Linie mit Kirchenbau und Architektur seit 1960 im Bistum Augsburg. Ein Sonderraum bot jedoch auch Einblicke in das überraschend reichhaltige Kunstschaffen dieser Zeit.
Zur unverzichtbaren Ausstattung jeder Kirche gehört neben Altar und Ambo das liturgische Gerät wie etwa Kelch, Hostienschale und Monstranz. Viele der um 1960 entstandenen Goldschmiedearbeiten gehen in ihrer Gestaltung auf Vorbilder der klassischen Moderne um 1920/30 zurück, als viele der Künstler ihre Ausbildung erhielten. Sie weisen nur wenige Brüche auf, die auf die Umschwünge im Zuge des zweiten Vatikanums hinweisen.
Im Kellergeschoss des Museums war im Rahmen der Sonderausstellung eine Vitrine mit verschiedenen Beispielen dazu zu sehen, die hier kurz näher vorgestellt werden.

Hostienmonstranz

süddeutsche Werkstatt
Messing, Bergkristall (?) und andere Halbedelsteine
um 1955
Diözesanmuseum St. Afra, Augsburg, DMA 4202

 

Die Hostienmonstranz kombiniert schlichte, klare Formen mit frühmittelalterlichen Motiven. Ein sechseckiger Bergkristall dient als Fuß für das Schaugefäß, dass von einer glatten Sonnenscheibe umgeben ist. Der Bergkristall wurde bereits im Mittelalter wegen seiner Reinheit für Kreuze und kostbare Gefäße geschätzt und erlebte ab der Mitte des 20. Jahrhunderts eine Renaissance.
Am Schaft sind stilisierte Adler montiert, die als Christus- und Auferstehungssymbol verstanden werden können. Die Monstranz stammt aus dem ehemaligen Studienseminar St. Ulrich in Dillingen an der Donau, sie entstand wohl anlässlich des Neubaus Mitte der 50er Jahre.

Hostienmonstranz, um 1955, DMA4202; Foto: Jürgen Bartenschlager
Hostienmonstranz, um 1955

Provisurgefäß und Provisurpatene

Hein Wimmer (1902-1986), Köln/Krefeld
Silber, (teils) vergoldet, Email
um 1960
Diözesanmuseum St. Afra, Augsburg, DMA 4607 und DMA 4608

Das kleine, runde Gefäß diente für die Aufbewahrung des Krankenöls für die Krankensalbung. Dazu wird meist geweihtes Olivenöl verwendet, worauf auch der Ölzweig im Schnabel der emaillierten Taube auf dem Deckel Bezug nimmt. Sterbende werden nicht nur gesalbt, sondern auch mit dem Sakrament der Buße und der Kommunion versehen (daher Versehgang/Provisur). Die Hostie dafür wird in der Provisurpatene aufbewahrt, die einen verschließbaren Deckel hat, damit der Priester sie zu dem Kranken transportieren kann. Hein Wimmer gestaltete diesen mit einem Zellenschmelzemail, das den Fisch als Christussymbol zeigt, der zusätzlich von dem Christusmonogramm XP (die griechischen Anfangsbuchstaben von "Christós") durchkreuzt wird.
Zunächst studierte Wimmer Naturwissenschaft und Kunstgeschichte in Köln, von 1927-1933 Gold- und Silberschmiede sowie Metallbildhauerei an der Kölner Werkkunstschule. Danach war er selbstständig tätig, schwerpunktmäßig im Bereich der sakralen Kunst. Nach dem Krieg lehrte er an der Werkkunstschule Krefeld, die letzten Jahre vor seiner Pensionierung 1967 als Professor.

Provisurgefäß und Provisurpatene, um 1960, DMA4607 und 4608; Diözesanmuseum St. Afra; Foto: Jürgen Bartenschlager
Provisurgefäß und Provisurpatene, um 1960

Hostienmonstranz aus Heilig Kreuz, Erhard Hößle, 1968; Diözesanmuseum St. Afra, Foto: Undine Fischer
Hostienmonstranz aus Heilig Kreuz, Erhard Hößle, 1968

Monstranz "Brennender Dornbusch"

Erhard Hößle (*1929), München
Silber, feuervergoldet, Glas, Diamant (?)
1968
Filialkirchenstiftung Heilig Kreuz, Augsburg

Die große und schwere Monstranz mit den erstarrten Flammenzungen wurde für Heilig Kreuz in Augsburg angefertigt. Wie Gott sich Mose im brennenden Dornbusch zu erkennen gab, so bildet die Monstranz den Rahmen für die Hostie, den wahren Leib Christi, der hier gleich doppelt erscheint. Die Monstranz besitzt zwei Schaugefäße, ein rundes für die geweihte Hostie und ein eckiges darunter für die Reliquienkapsel mit dem "Wunderbarlichen Gut von Heilig Kreuz".
Der Goldschmied Erhard Hößle, geboren in Memmenhausen (Kreis Günzburg), absolvierte Lehre und Studium von 1949 bis 1955 an der Akademie der Bildenden Künste in München. Von 1969 bis 1991 lehrte er als Professor für Gold- und Silberschmiede an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Als freischaffender Künstler war er in den 1950/60er Jahren häufig für die Kirche tätig, oft auch in Zusammenarbeit mit seiner Frau Therese, so etwa auch im Falle des ebenfalls im Diözesanmuseum ausgestellten Pektorales Bischof Josef Stimpfles. In einigen Kirchen des Bistums Augsburg, z.B. in St. Don Bosco in Augsburg und in der Kirche Zum Heiligsten Erlöser in Augsburg-Göggingen finden sich weitere seiner Werke, eine ähnliche Monstranz sowie ein Tabernakel im Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen.

Kelch mit Patene und Schale

Hermann Stadelmaier (1918-2012), Schwäbisch Gmünd
Silber, feuervergoldet
1968
Privatbesitz, Augsburg

Die Gefäße sind schlicht gehalten, nur der Kelch weist an der Kuppa eine gehämmerte und am Fuß eine gerillte Oberflächenstruktur auf. Im Vergleich zu dem ebenfalls gezeigten Dochtermann-Kelch verwendet Stadelmaier noch traditionellere Grundformen.
Die 1946 von Hermann Stadelmaier gegründete Werkstätte für kirchliche Silberschmiedekunst in Schwäbisch Gmünd besteht bis heute und wird in der zweiten Generation fortgeführt.
(auf dem Foto mit der gesamten Vitrine vorne rechts)

Kelch mit Patene und Löffel

Werkstätte Ulrich Dochtermann, Augsburg
Silber, teilvergoldet
1969/70
Werkstätte Ulrich Dochtermann, Augsburg

Die bereits 1869 gegründete Goldschmiede-Werkstatt Ulrich Dochtermann in Augsburg entwickelte um 1965 zunehmend eine eigenständige moderne Stilistik. Stücke mit der charakteristischen Meistermarke UD finden sich in zahlreichen Kirchen des Bistums. Heute wird die Werkstatt in der fünften Generation fortgeführt.
Der Kelch, dem eine Konsekrationsurkunde von Bischof Josef Stimpfle beiliegt, verzichtet auf jeglichen Prunk und Verzierung. Die Oberflächen sind handwerklich gehämmert, die Formen weich fließend und bewusst einfach gehalten, trotzdem kommen nur kostbare Materialen zum Einsatz.

Kelch mit Patene und Löffel, Werkstätte Ulrich Dochtermann, 1969/70; Diözesanmuseum St. Afra
Kelch mit Patene und Löffel, Werkstätte Ulrich Dochtermann, 1969/70

Entwürfe für drei Kelche

Werkstätte Ulrich Dochtermann, Augsburg
Messing, teils versilbert bzw. vergoldet
um 1975
Werkstätte Ulrich Dochtermann, Augsburg

Die drei experimentellen Kelchentwürfe lösen die traditionelle Kelchform auf und variieren eine schlichte klare Zylinderform. Anklänge an die klassische Aufteilung von Fuß, Schaft und Kuppa sind nur noch zu erahnen. Dekor und Ornamentik wurden zugunsten der reinen Ästhetik der Form aufgegeben.

Entwürfe für drei Kelche, Werkstätte Ulrich Dochtermann, um 1975; Diözesanmuseum St. Afra
Entwürfe für drei Kelche, Werkstätte Ulrich Dochtermann, um 1975

Franz Nagel – Eva mit Kind

Das Bild in der typischen Sprache Franz Nagels (1. September 1907-22. März 1976) scheint auf den ersten Blick eine "Madonna mit Kind" zu zeigen. Tatsächlich handelt es sich aber um einen wohl 1949/50 entstandenen Entwurf für eine der Genesis-Szenen des 1950 ausgeführten Deckengemäldes in St. Maximilian in Augsburg, eine der ersten modernen, monumentalen Kirchenmalereien der Nachkriegszeit. Somit muss die Dargestellte als Eva angesprochen werden, wenngleich natürlich die Ähnlichkeit mit einer Madonna nicht unbeabsichtigt ist, sondern Eva als typologische Vorläuferin Mariens inszeniert. Dies bestätigte auch die Tochter der Künstlers, Eva Grund, die sich aus ihrer Kindheit noch erinnern kann, dass das zunächst privat im Haus des Künstlers aufgehängte Bild stets "Eva" genannte wurde.

1979 ehrte die Diözese Augsburg mit einer Gedächtnisausstellung am Aschermittwoch der Künstler den mit zahlreichen Arbeiten im Bistum vertretenen Franz Nagel (z. B. Dürrwangen, Maria Immaculata; Schopflohe, Heiligste Dreifaltigkeit; Augsburg-Haunstetten, St. Pius; Leitershofen, Exerzitienhaus; Weilach, Heilig Kreuz; Dillingen, Seminarkapelle St. Ulrich; Marktoberdorf, Schülerheim-Kapelle; Schongau, Verklärung Christi; Günzburg, Heilig Geist; Memmingen, Mariä Himmelfahrt; Stadtbergen, Maria-Hilf u. a.). Zu diesem Anlass schenkte die Ehefrau Nagels schließlich Bischofsvikar Achter, dem vormaligen Stadtpfarrer von St. Maximilian, das Bild "Eva mit Kind", das wohl zur Veranschaulichung der geplanten Deckenmalerei entstanden war. Aus dem Nachlass Achters gelangte das Bild dann über einige Zwischenstationen in das Diözesanmuseum St. Afra (DMA 2906).

 

In Vorbereitung auf die Struktur der Putzdecke verwendete Nagel für den Entwurf eine raue, 180cm hohe Rabitzplatte, die er zur Betonung der teils kubistisch anmutenden Strukturen auch einritzte (Rabitz ist die Bezeichnung für Drahtputz, bei dem auf eine tragende Metallkonstruktion über einem faserigen Träger Putzmörtel aufgetragen wird. Der Berliner Bautechniker Carl Rabitz entwickelte das Verfahren 1878). Aus den verschiedenen, klar abgegrenzten Farbflächen heraus entwickelt sich die Figur der "Eva" in hellem Weiß, mit nur leicht angedeutetem Inkarnat beim Kind und an den Beinen. Besonders das Rund der beiden Köpfe, mit den großen, fragenden Augen Evas, hebt sich auffällig von den eckigen, bruchstückhaften Flächenformen ab. Die Urmutter Eva wird so zur Chiffre für einen Neuanfang aus den Trümmern des Krieges heraus. Während Nagel für den Entwurf kühlere Farben wie Blau, Türkisgrün, Grau und Flieder einsetzt, verwendet er auf der Decke schließlich erdigere Töne in den Kreisen mit den Schöpfungsszenen, die sich von der restlichen Deckenfläche mit dem Rechteckmuster in zurückhaltenderer Farbigkeit abheben.

 

Auf der Decke in St. Maximilian entfaltet sich der volle Sinnzusammenhang, indem neben der sitzenden "Eva" noch "Adam" zu sehen ist, der mühevoll den Ackerboden bestellt. Die Szene schließt den Bildkreis von der "Erschaffung des Menschen", dem "Sündenfall" und der "Vertreibung aus dem Garten Eden" mit der Illustration von Gen 3,14-24, wo es in Bezug auf Eva heißt: "Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. / Unter Schmerzen gebierst du Kinder" und zu Adam spricht Gott: "So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. / Unter Mühsal wirst du von ihm essen". Der Name "Eva" bedeutet "Leben", und Nagel setzt der Konsequenz des Sündenfalls seine Eva entgegen, die bereits deutlich auf Maria, die neue Eva, und somit auch auf Christus, den neuen Adam, und die damit einhergehende Erlösung der Menschheit verweist, wie sie sich schließlich im "Auferstandenen" des Apsis-Freskos in St. Maximilian manifestiert.

Eva mit Kind, Franz Nagel, 1949/50; DMA 2906 (Foto: Siegfried Wameser)
Eva mit Kind, Franz Nagel, 1949/50; DMA 2906 (Foto: Siegfried Wameser)
In Schmerz wirst du deine Kinder gebären, Detail des Deckenbilds in St. Maximilian in Augsburg von Franz Nagel (Foto: Kirchliches Bauwesen und Kunst, Alberto Luisa)
In Schmerz wirst du deine Kinder gebären, Detail des Deckenbilds in St. Maximilian in Augsburg von Franz Nagel (Foto: Kirchliches Bauwesen und Kunst, Alberto Luisa)
Deckenbild „Schöpfungszyklus“ mit „Vision des Ezechiel“ im Zentrum, Franz Nagel mit Meisterschüler Rudolf Büder, 1950 (Foto: Kirchliches Bauwesen und Kunst, Alberto Luisa)
Deckenbild „Schöpfungszyklus“ mit „Vision des Ezechiel“ im Zentrum, Franz Nagel mit Meisterschüler Rudolf Büder, 1950 (Foto: Kirchliches Bauwesen und Kunst, Alberto Luisa)

Ein bislang unerforschtes Reliquienkreuz

Seit 1998 besitzt das Diözesanmuseum St. Afra eine bedeutende Leihgabe aus der Katholischen Filialkirchenstiftung Heilig Kreuz (DMA L 6 L). Es handelt sich um ein 40 Zentimeter hohes und 27 Zentimeter breites Reliquienkreuz aus Silber, das anhand von stilistischen Merkmalen in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert werden kann.

In der Mitte der Kreuzarme ist ein nahezu quadratisches, beidseitig mit Bergkristallplatten verschlossenes Kästchen zu sehen, in dem ursprünglich etliche Reliquien geborgen waren. Sie fehlen heute. Die Flächen der Kreuzarme sind vorderseitig mit unterschiedlichen Ornamenten verziert, vor die - in sehr flachem Relief - Figuren gestellt sind. An den Querarmen sind zwei Engel zu sehen, welche die Reliquien gleichsam präsentieren. Am unteren Kreuzstamm erscheinen die Heilige Helena und Heraklius: Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, hatte der Legende nach das Kreuz Christi aufgefunden, der byzantinische Kaiser Heraklius führte es nach einigen Kriegswirren 629/30 wieder nach Jerusalem zurück. Helena ist deshalb hier als Herrscherin mit Krone und Kreuz in ihrer Hand wiedergegeben, Heraklius sind mit Krone, Szepter und Weltkugel ebenfalls herrschaftliche Insignien beigegeben. Am oberen Kreuzarm ist eine Darstellung der Kreuzigung zwischen Assistenzfiguren sichtbar. Eine Büste Jesu erscheint im oberen Segment des bekrönenden Dreipasses. In den Dreipassenden des Kreuzes sind ferner runde Silbermedaillons appliziert, welche die Evangelistensymbole vorstellen. Das untere Medaillon mit dem Stier, der für den Evangelisten Lukas steht, ist verloren und wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt durch eine schmucklose Silberplatte ersetzt.

Noch vorhandene Reste von transluzidem Silberemail lassen das Bild eines einst in leuchtenden Blau-, Grün-, Violett-, Gelb-, Braun- und Rottönen prachtvoll verzierten Reliquiars entstehen. Sie sind größtenteils durchscheinend, so dass die darunter liegenden Gravuren, schraffierte Flächen und gepunktete Rautenfelder sichtbar sind und zur Verlebendigung des Gesamteindrucks beitragen. Diese Art der Emaillierung war im 14. Jahrhundert an vielen Orten Europas gebräuchlich, vor allem in Paris und anderen französischen Städten sowie am Ober- und Mittelrhein.

Die Rückseite des Kreuzes hatte diesen Emailüberzug ursprünglich nicht. Die Kreuzarme sind mit gravierten Quadraten geschmückt, in die ziselierte Andreaskreuze eingestellt sind. An den Enden sitzen Medaillons, die oben die Hand Gottes, links den Erzengel Gabriel und rechts die Maria der Verkündigung zeigen. Alle Darstellungen sind von Inschriften umgeben; das untere Medaillon besitzt ausschließlich eine Inschrift: Wir erfahren in lateinischer Sprache, welche Reliquien einst im Kreuz geborgen waren: vom Grabstein, von der Krippe, von der Geißelsäule und vom Stein, in dem das Kreuz Christi stand. In einer Darstellung des Reliquienschatzes von Heilig Kreuz aus dem Jahr 1625, in dem 105 Kupferstiche das opulente Heiltum eindrucksvoll vor Augen führen, werden für dieses Reliquienkreuz außerdem noch drei Kreuzpartikel erwähnt, die zu einem unbekannten Zeitpunkt in das Kreuz eingesetzt wurden, nachdem sie zuvor in einem anderen silbernen, 1194 entstandenen Reliquienkreuz aufbewahrt gewesen sind.

Im Zuge der bereits laufenden Vorbereitungen zu einer für das Frühjahr 2019 geplante Sonderausstellung zu Heilig Kreuz in Augsburg können hoffentlich durch die Auswertung von Archivalien noch offene Fragen zu diesem Reliquienkreuz geklärt werden, wie etwa, ob es einen Zusammenhang mit dem Patrozinium der Heilig Kreuz Kirche gibt.

Vorderseite des Reliquienkreuzes aus Heilig Kreuz, Foto: Norbert Liesz
Vorderseite des Reliquienkreuzes aus Heilig Kreuz
Rückseite des Reliquienkreuzes aus Heilig Kreuz, Foto: Norbert Liesz
Rückseite des Reliquienkreuzes aus Heilig Kreuz

Lilian Moreno Sánchez – El hambre estaba allí antes de mi nacimiento

El hambre estaba allí antes de mi nacimiento, Lilian Moreno Sánchez, 2003/04, Foto: Siegfried Wameser
El hambre estaba allí antes de mi nacimiento, Lilian Moreno Sánchez

Mit Unterstützung der Kurt und Felicitas Viermetz-Stiftung erwarb das Diözesanmuseum 2006 ein Gemälde von Lilian Moreno Sánchez, das bereits 2005 im Rahmen der Ausstellung "Die Ästhetisierung des Leidens - La estética del padecer" zusammen mit anderen Werken der chilenischen Künstlerin im Museum ausgestellt war.

Das in Siebdruck und Kohle sowie Blattgold auf italienischen Seidenstoffen ausgeführte Bild entstammt der 2003-2004 entstandenen Serie "La falta" ("Der Mangel") und ist mit den spanischen Worten "El hambre estaba allí antes de mi nacimiento" ("Der Hunger war da, bevor ich geboren wurde") - ein Zitat aus dem Werk "Infarto del alma" ("Seeleninfarkt") der chilenischen Schriftstellerin Diamela Eltit - bezeichnet. Für die Künstlerin bedeutet Hunger nicht nur das immer wiederkehrende Phänomen des Mangels an Nahrung für den Körper, sondern auch das Bedürfnis nach geistiger Nahrung, wie sie die Menschen etwa im christlichen Glauben suchen. Dabei kontrastiert Moreno Sánchez die in der Kunst ästhetisierten Leiden Christi, getragen und unterstrichen von kostbaren Stoffen, mit modernen Röntgenaufnahmen. Die aufeinandertreffenden Gegensätze Vergangenheit und Gegenwart, Leben und Tod, Mangel und Überfluss, verbergende Stoffe und die Haut durchdringende medizinische Aufnahmen etablieren einen Dialog, der Schönheit, Leid und Ästhetik in Beziehung setzt und gleichzeitig in Frage stellt.

Auf der linken Seite ist ein Ausschnitt aus der "Kreuzabnahme" Rogier van der Weydens von 1435-40 spiegelverkehrt auf Stoff gedruckt. Dabei bricht die Wiedergabe des Gemäldes abrupt ab. Von Christus sind nur mehr seine abgeschnittenen Beine wieder. Ein Streifen eines mit großen Blüten gemusterten Brokatstoffes führt formal die kostbaren Gewänder der Figuren auf dem Gemälde weiter, überdeckt dabei aber das eigentliche Geschehen auf dem Bild. Maria Magdalena, eine anmutige, junge, hübsche Frau, die auf dem Gemälde van der Weydens eigentlich am Rand des Bildraums steht, wird in ihrer Trauer zur neuen Hauptfigur.
Auf der rechten Seite verschmilzt das Blumengirlandenmuster eines anderen Stoffes mit der Röntgenbildaufnahme eines menschlichen Torsos. Pars pro toto thematisieren die darauf abgebildeten Rippen den ausgezehrten Körper des Gekreuzigten und lassen somit das zuvor verdeckte Geschehen des zitierten Gemäldes wieder zum Vorschein kommen. Zugleich verweist die mit Krankheit und Sterblichkeit assoziierte Röntgenaufnahme auf die menschliche Natur Christi und die Erlösung von Leid und Krankheit durch Tod und Auferstehung.

Ein Kleiderschnittmuster überlagert das ganze Bild und fügt dem ohnehin schon vielschichtigen Werk eine weitere Bedeutungsebene hinzu. Es bildet als Anleitung zur Verhüllung des Körpers mit Kleidung den Gegenpol zur Sichtbarmachung des innersten Bauplans des Menschen. Konkret lässt das Verdecken von Knochen an die Verbrechen und die vielen verschwundenen Menschen während der Militärdiktatur Pinochets in Chile denken, auf die Moreno Sanchez in ihren Werken immer wieder Bezug nimmt. Das Innerste nach außen kehren und mit etwas Schönem wieder schützend bedecken, so könnte gleichzeitig aber auch ein seelischer Heilungsprozess beschrieben werden.

Die 1968 in Chile geborene Künstlerin Lilian Moreno Sánchez studierte an der Kunstfakultät der renommierten Universidad de Chile in Santiago de Chile sowie an der Akademie der Bildenden Künste in München. Heute lebt und arbeitet sie in Augsburg.

 

Website der Künstlerin

Ausführliches Interview

Kaiserliche Leihgaben aus dem Schwabenland

 

Gleich drei kostbare Leihgaben stellt das Diözesanmuseum St. Afra für die derzeit laufende Große Landesausstellung "Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke" im Landesmuseum Württemberg zur Verfügung: Kronhelm und Schwert der Funeralwaffen Kaiser Karls V. sowie ein Kruzifix über einem Scheibenkreuz aus dem 11. und 12. Jahrhundert.

 

Die Funeralwaffen Kaiser Karls V. wurden 1559 als Schauwaffen für die Totenfeierlichkeiten des verstorbenen Kaisers im Auftrag seines Bruders und Nachfolgers Ferdinands I. vom Augsburger Plattnermeister Anton Pfeffenhauser (1525-1603) angefertigt und zählen heute zu den herausragenden Stücken des Diözesanmuseums. Wie schon sein Vater Maximilian I. führte Kaiser Karl V. den Titel "Fürst zu Schwaben", was ihn in den Fokus der Ausstellung rückt, die neben schwäbischer Kunst und Kultur auch die schwäbische Geschichte und damit verbundene Persönlichkeiten und Erzeugnisse beleuchtet.

 

Das seltene hochmittelalterliche Scheibenkreuz aus Bergkristallen, über das etwas später ein Kruzifix montiert wurde, entstammt wohl dem Augsburger Domschatz und ist normalerweise wie die Funeralwaffen in der Dauerausstellung des Augsburger Diözesanmuseums zu bewundern. Es verbindet die Formen von Weltscheibe und Kreuz und wird in der Schwaben-Ausstellung als Beispiel für die Goldschmiedekunst der Stauferzeit gezeigt.

 

Die sehenswerte und in ihrer Bandbreite enorm vielfältige Ausstellung in Stuttgart ist noch bis zum 23. April 2017 zu sehen, danach kehren die Leihgaben wieder an ihre angestammten Plätze in den Räumen des Diözesanmuseums zurück.

 

Weitere Informationen zur Landesausstellung "Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke" finden Sie unter www.landesmuseum-stuttgart.de.

Funeralhelm von Kaiser Karl V.
Funeralhelm von Kaiser Karl V.
Funeralschwert von Kaiser Karl V.
Funeralschwert von Kaiser Karl V.
Scheibenkreuz mit Kruzifix
Scheibenkreuz mit Kruzifix

Vom Dachgiebel ins Diözesanmuseum: Kostbare Entdeckung erhält eine neue Heimat

Die spätgotische Pietà stand mehrere Generationen lang der Witterung ausgesetzt im Dachgiebel eines Bauernhauses. Nun erhält die ausdrucksstarke Skulptur als Dauerleihgabe einen würdigen Platz im Diözesanmuseum St. Afra.

Vermutlich stammt die bemerkenswerte Figur aus der nahen Pfarrkirche von Kleinkitzighofen und wurde von dort bei einer späteren Umgestaltung in private Hände gegeben - eine früher verbreitete Praxis bei Kunstwerken, die nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprachen. So ging die Pietà in den Besitz einer Familie über, der wohl gar nicht klar war, welchen Schatz ihr Giebel barg, bis Mitarbeiter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege in den achtziger Jahren darauf aufmerksam wurden.

Bei einer sorgfältigen Restaurierung in den neunziger Jahren wurde die zweite, barockzeitliche Farbfassung freigelegt, die von drei jüngeren Farbschichten verdeckt war. Von der originalen Fassung sind nur mehr sehr kleine Reste erhalten. Bewusst hat man die Spuren von Witterung und Alter sichtbar belassen, die von der wechselvollen Geschichte der Figur zeugen. Während mittlerweile eine Kopie die Fassade des Hauses ziert, erhält nun das Original im Diözesanmuseum eine neue Bleibe als Dauerleihgabe in der ständigen Ausstellung.

Die Skulptur datiert mit ihren weich fallenden Faltenkaskaden in die Zeit um 1420/30 und ist somit noch dem sogenannten "Weichen Stil", auch "Internationale Gotik" genannt, zuzuordnen. Da das Museum bisher kaum Exponate aus dieser Zeit besitzt, wird mit der Pietà eine wichtige Lücke geschlossen, freut sich Museumsleiterin Melanie Thierbach. Die bildhauerische Qualität der Skulptur aus Kleinkitzighofen zeugt von einem begabten, wahrscheinlich regionalen Künstler. Indem er seine Maria einen Zipfel ihres Kopftuches zum Gesicht führen lässt, um sich damit die Tränen von ihrem Gesicht abzuwischen, greift er zudem eine recht seltene Bildidee auf.


Das Andachtsbild der Pietà, das Maria sitzend mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß zeigt, entstand aus der mittelalterlichen Passionsfrömmigkeit heraus und gehörte besonders im 14. und 15. Jahrhundert bis in die Barockzeit zu den beliebtesten und verbreitetsten Marienbildern. Die deutsche Bezeichnung "Vesperbild" bezieht sich auf die abendliche Gebetszeit der "Vesper", die Tageszeit, zu der am Karfreitag die Kreuzabnahme und Beweinung Christi erfolgte. Obwohl im Bibeltext nicht konkret erwähnt, bildet die Szene die vorletzte Kreuzwegstation. Zugleich stellt die Pietà eine der sieben Schmerzen Mariens dar und bildet somit das Gegenstück zu Maria mit dem neugeborenen Jesuskind auf dem Arm.

Pietà von 1420/30
Pietà von 1420/30

Im Angesicht der Todsünden

Bruno Wank, Die sieben Todsünden, 2015, Foto: Diözesanmuseum St. Afra, Augsburg, Norbert Liesz, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Bruno Wank, Die sieben Todsünden, 2015, Foto: Diözesanmuseum St. Afra, Augsburg, Norbert Liesz, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Das Diözesanmuseum freut sich über eine neue Dauerleihgabe: 15 Bronzemasken des Allgäuer Bildhauers Bruno Wank. Die Masken hatte Wank auf Einladung des Diözesanmuseums eigens für die Sonderausstellung "Die sieben Todsünden" (Februar-Mai 2016) geschaffen. Danach waren sie bei der gleichnamigen Folgeausstellung mit zeitgenössischen Werken in der VerpackereiGÖ in Görisried zu sehen, bevor sie nun wieder in das Diözesanmuseum zurückkehren.

 

Das Werk trägt zwar den Titel "Die sieben Todsünden", besteht aber aus 15 Masken, die nicht konkret den einzelnen Sünden zuzuordnen sind. Sie orientieren sich an der Anzahl der "Krankheiten mentaler und spiritueller Erstarrung", die Papst Franziskus in seiner Weihnachtsansprache 2014 den Kardinälen als moderne Todsünden besonders der Geistlichkeit genannt hatte, die für alle anderen aber genauso gelten. Gefühlsregungen, besonders wenn sie so intensiv sind wie Zorn und Neid, oder etwa Gier und Trägheit, verändern unsere Mimik, unser Gesicht als Spiegel der Seele trägt die Emotionen nach außen. Oft tragen wir aber auch eine Maske, um genau diese Gefühlsregungen zu verbergen. Bruno Wanks Masken bleiben bewusst vage - sie sind verbergende Maske und das wahre Gesicht des Menschen hinter der Maske in einem. So ist der Betrachter eingeladen, das Geheimnis hinter jeder Maske und somit die vielen Gesichter menschlicher Laster selbst zu ergründen - die Hängung in einer langen Reihe in einem Gang des Museums lädt dabei zum Abschreiten, Innehalten und intensivem Betrachten ein und könnte wahrscheinlich noch beliebig fortgeführt werden.

 

Die Masken hat Wank von Personen aus seinem Umfeld abgeformt und entsprechend verändert, wobei die Porträtierten sich dabei kaum wiedererkennen werden. Der 1961 in Marktoberdorf geborene Künstler kam bereits früh in der Gießerei seines Vaters mit dem Bronzeguss in Berührung und versteht es, mittels verschiedener Gussverfahren der Bronze ganz unterschiedliche Oberflächen und Farben zu geben. Heute lebt und arbeitet Bruno Wank in München und in Görisried im Allgäu, unter anderem als Dozent an der Kunstakademie in München und mit seiner Frau zusammen als Betreiber des Kunstraums "VerpackereiGÖ" in Görisried.

Gemälde von Cosmas Damian Asam als Dauerleihgabe für das Diözesanmuseum

Das runde Gemälde ist ein sogenannter Bozzetto, also ein Entwurf für ein Deckengemälde und zeigt das Thema der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Cosmas Damian Asam (1686-1739) fertigte die Ölskizze 1713/14 für die Dreifaltigkeitskirche in München. Wahrscheinlich diente sie auch gleich als Vertragsgrundlage für die Beauftragung des prominenten Künstlers. Zugleich handelt es sich um die älteste erhaltene Ölskizze eines Freskomalers im süddeutschen Raum.

Die gemalte Himmelsvision besticht durch kühne Verkürzungen und ins Zentrum ziehende Lichtführung. Sie hing zuletzt in der Friedhofskirche St. Patritius in Wettenhausen und war bis April noch in der Ausstellung "Mit Leib und Seele" in der Hypo-Kunsthalle in München zu sehen.

Aus konservatorischen Gründen wurde das Werk vor Kurzem dem Diözesanmuseum St. Afra übergeben, womit endlich auch ein erstes Werk des bedeutenden Malers und Architekten Einzug in die Bestände des Museums hält. Um der vorgesehenen Perspektive Rechnung zu tragen, wurde die Ölskizze im Diözesanmuseum entsprechend an der Decke angebracht, so dass die Besucher die perfekte Illusion der Himmelsdarstellung bewundern können.

Der Name Asam ist aus der süddeutschen Kunstlandschaft des Barock und Rokoko kaum wegzudenken. Cosmas Damian stattete teils alleine, teils zusammen mit seinem Bruder, dem Stuckateur und Bildhauer Egid Quirin über 50 Kirchen, Klöster und Schlösser aus, davon etwa auch die zur Diözese Augsburg gehörende Wallfahrtskirche Hergottsruh in Friedberg.

Bozzetto mit der Heiligsten Dreifaltigkeit, Cosmas Damian Asam, 1713/14
Bozzetto mit der Heiligsten Dreifaltigkeit

Neue Präsentation der Kruzifix-Sammlung des Diözesanmuseums St. Afra

Seit kurzem präsentiert das Diözesanmuseum seine Sammlung von Kreuzen und Kruzifixen in der Dauerausstellung neu. Dank zweier zusätzlicher Vitrinen können weitere Werke gezeigt werden, darunter ein Giambologna zugeschriebenes Bronzekruzifix.

Bereits seit seiner Öffnung im Jahr 2000 zeigt das Diözesanmuseum St. Afra auf verschiedenste Art und Weise gestaltete Kreuze und Kruzifixe. Um noch weitere interessante Stücke zeigen zu können, die der Sammlung inzwischen als Leihgaben übergeben wurden und bisher im Depot schlummerten, wurden nun zwei neue Vitrinen eingerichtet.

Neues Highlight ist ein Bronzekruzifix aus der Zeit um 1590, das dem Museum von Mariä Verkündigung in Wullenstetten als Leihgabe überlassen wurde. Es wird dem bedeutenden Florentiner Hofbildhauer Giambologna (1529-1608) zugewiesen. Möglicherweise gelangte es durch die Lehensherren Fugger in die Kirche von Wullenstetten. Die höchst qualitätsvolle Arbeit zeigt einen idealtypischen, vollkommen nackten Männerkörper. Ein in späterer Zeit unsachgemäß vorgeblendetes Lendentuch wurde wieder abgenommen. Zuletzt war das Kruzifix auch in der Sonderausstellung "Bella Figura. Europäische Bronzekunst in Süddeutschland um 1600" im Bayerischen Nationalmuseum in München zu sehen.

Aus Heilig Kreuz stammt ein gotisches Reliquienkreuz, wobei der im Inneren aufbewahrte Kreuzpartikel der Augsburger Kirche ihren Namen gab. Im Barock erhielt es eine dem Zeitgeschmack mehr entsprechende Verblendung aus Gold- und Silberblech, die separat zu sehen ist. Daneben hat auch ein Kruzifix aus der Werkstatt des Matthias Wallbaum seinen Platz bekommen, das mit dem silbernen Korpus und den silbernen Applikationen auf schwarzem Holz eine typische Augsburger Arbeit der Zeit um 1630 darstellt.

Bronzekruzifix von Giambologna, um 1590
Bronzekruzifix von Giambologna

Verschiedene Objekte zum Thema "Licht" zur Langen Nacht des Lichts am 20. Juni 2015

Da Licht eine Grundbedingung für Leben schlechthin ist, spielt es in allen Religionen eine wichtige Rolle. Das gilt auch für das Christentum, denn Christus sagt von sich selbst (Joh 8,12): "Ich bin das Licht der Welt." , womit alle an ihn Glaubenden "Kinder des Lichts" (Eph 5,8) sind.

An vielen Stellen der Liturgie der Kirche spielt das Licht eine wichtige Rolle (Osterfeuer, Osterkerze, Ewiges Licht, Begleitung des Evangeliums durch Kerzen u.v.m.).


In der Vitrine zum Kunstwerk des Monats sind vor allem verschiedene Altarleuchter aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu sehen, die in der Regel in Paaren auftreten, ebenso wie Wandleuchter, die in entsprechende Wandhaken eingehängt werden konnten.
Exemplarisch für die Bedeutung des Lichts mögen auch drei kleine Bilder stehen: In der Mitte die Lichterscheinung bei der Taufe Jesu (um 1720/30, Email auf Kupfer, DMA 2703), verbunden mit der Stimme Gottes und der Heiliggeisttaube, links ein Votivbild mit der Erscheinung der Madonna aus der Schneckenkapelle in St. Ulrich und Afra (1796, Öl auf Leinwand, DMA 2664), rechts die Erscheinung des Jesuskindes vor dem heiligen Antonius von Padua, Entwurf für ein Altarblatt in Öffingen (Joseph Anton Hueber, 1775, Öl auf Leinwand, DMA 2609) .

Verschiedene Leuchter und Emailbild mit der Taufe Christi
Verschiedene Leuchter und Emailbild mit der Taufe Christi
Emailbild mit der Taufe Christi, DMA 2703
Emailbild mit der Taufe Christi

Kostbare Leihgabe aus dem Bayerischen Nationalmuseum

Für kurze Zeit beherbergt das Diözesanmuseum St. Afra eine kostbare Silberstatuette des heiligen Sebastian aus dem Bayerischen Nationalmuseum in München.
Die lebhaft bewegte Statuette des Märtyrers Sebastian entstand Anfang des 17. Jahrhunderts. Zwar besitzt sie keine Silbermarken und kann deswegen keinem Künstler namentlich zugeordnet werden, jedoch steht die qualitätsvolle Arbeit in der Tradition des in Augsburg tätigen Bildhauers Hubert Gerhard (ca. 1540/1550-1620). Die balancierende Körperhaltung des Heiligen geht wiederum auf den fliegenden Merkur Giovanni Bolognas (1529-1608, genannt Giambologna) zurück. Das Werk des berühmten Florentiner Hofbildhauers hat Gerhard maßgeblich beeinflusst.

Die zierliche Figur des beliebten Heiligen ist bis zum 25. Mai 2015 im Diözesanmuseum zu bewundern. Die Statuette wurde dem Diözesanmuseum im Austausch für ein Bronzekruzifix von Giambologna (um 1590) überlassen. Es stammt aus der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Wullenstetten und wird als Dauerleihgabe im Diözesanmuseum aufbewahrt. Vom 6. Februar bis 25. Mai 2015 ist es nun in der Sonderausstellung "Bella Figura. Europäische Bronzekunst in Süddeutschland um 1600" im Bayerischen Nationalmuseum in München zu sehen. Mit über 80 hochkarätigen Ausstellungsobjekten aus Museen in Europa und den USA gibt die Ausstellung einen umfassenden Überblick über die Bronzekunst zwischen 1570 und 1620 in Süddeutschland und lohnt einen Besuch.
Nach seiner Rückkehr wird das Kruzifix aus Wullenstetten einen Platz in der Dauerausstellung des Diözesanmuseums erhalten.

Hl. Sebastian, Inv.-Nr. 64/26, Bayerisches Nationalmuseum München, Foto: Bastian Krack
Silberstatuette Hl. Sebastian

Diözesanmuseum St. Afra
Kornhausgasse 3–5
86152 Augsburg
Telefon: 0821/3166-8833
museum.st.afra@bistum-augsburg.de

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Dienstag-Samstag 10–17 Uhr
Sonntag/Feiertag 12–18 Uhr
Montag geschlossen
 
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Ermäßigt 3,00 €*
Familienkarte 8,00 €
Jahreskarte 19,00 €
* bei Sonderausstellung abweichend
 
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Auf Anfrage (0821/3166-8833 oder museum.st.afra@bistum-augsburg.de)
 
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