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Prozessionsskulptur

 

Im Diözesanmuseum wird eine Prozessionsskulptur aus der letzten Hälfte des 15. Jahrhundert, wahrscheinlich aus dem schwäbisch-alemannischen Raum, verwahrt. Die Figur zeigt eine aufrecht stehende Heilige mit über den Kopf erhobenen Armen und an eine Art Holzpflock gefesselten Handgelenken. Ihr Gesicht weist feine Züge auf, mit zu einem subtilen Lächeln geformten Mund.

Die Skulptur lässt sich bislang keiner bestimmten Heiligen zuweisen, da die über dem Kopf gehaltenen Arme so keine Parallele finden. Wir wissen jedoch einiges über den Verwendungskontext der Holzskulptur. Die Tatsache, dass der Körper, im Gegensatz zum Gesicht, nur grob bearbeitet ist (besonders fällt dies an den wie "stabartig" angestückten Armen auf), legt den Schluss nahe, dass die Figur ursprünglich bekleidet war. Zwar ist über den Verbleib dieser Textilien nichts bekannt, jedoch wird die Skulptur in einem Auktionskatalog als "Scheiterhaufenskulptur" bezeichnet. Dass es sich um eine zum Verbrennen bestimmte Figur handelte, ist unwahrscheinlich. Vielmehr legt der hohe künstlerische Anspruch der Schnitzarbeit eine Verwendung bei Karfreitagsprozessionen nahe, die sich vom 15. Jahrhundert bis weit ins 18. Jahrhundert hoher Beliebtheit erfreuten. Derartige Prozessionen sind auch für Augsburg überliefert. So hatten sich etwa im Jahr 1478 mehrere Handwerksmeister zusammengefunden, um mit Zustimmung des Propstes Ulrich Burgschneider (1472-1480) eine jährliche Leidensprozession bei Heilig Kreuz einzuführen. Dabei sollten biblische Figuren mitgeführt werden, die ständig um neue Personen ergänzt wurden, ähnlich der hier vorgestellten Prozessionsskulptur.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die sogenannte Corporis-Christi-Bruderschaft zur Trägerin der großen Augsburger Karfreitagsprozession. Es heißt, dass alle Teilnehmer in Bußgewänder gekleidet waren, "die einen geißelten sich, andere hatten das Kreuz auf ihre Schultern genommen, wiederum andere trugen Darstellungen des leidenden Herrn" oder anderer Heiligenfiguren, aufgebaut auf Tragegestellen, die von je acht Männern getragen wurden. Angeführt wurde die Prozession von einer Reihe rotgekleideter Herren der Corporis-Christi-Bruderschaft, auf die vier Fackelträger folgten.

Die Prozession zog von Heilig Kreuz nach St. Ulrich und Afra und von dort am Rathaus und am Dom vorbei nach St. Salvator, wo sie sich auflöste. Auf die katholischen und evangelischen Bürger der Zeit hatte sie einen ungeheuren Eindruck gemacht, und sollte bald zu einem festen Bestandteil, ja zu einem Höhepunkt der Karwoche in Augsburg werden. Versuche, ein Verbot der Karfreitagsprozessionen durchzusetzen, mit der Begründung "die wahre Andacht gegen das unschätzbare Leiden Christi werde durch dergleichen Vorstellungen nicht vermehrt, sondern verächtlich gemacht", liefen lange Zeit ins Leere. Ihr Ende wurde erst im Jahre 1781 eingeleitet, als die Prozessionsfiguren erstmals durch "Bruderschaftstafeln, Zunftfahnen und das Ferculum [Tragegestell] des Heiligen Grabes" ersetzt wurden - eine Form, die beim Volk keinen Anklang fand, da sie "Herz und Gemüt" nicht berührte.

 

Angaben zur Abbildung: Augsburger Karfreitagsprozession 1747, Feder-Aquarell. Germ. Nationalmuseum Nürnberg, Kupferstichkabinett H. B. 26542, aus: Rummel, Peter: Katholisches Leben in der Reichsstadt Augsburg (1650-1806), Augsburg 1984, S. 72f.

Prozessionsskulptur frontal
Prozessionsskulptur seitlich
Prozessionszug
 

Diözesanmuseum St. Afra
Kornhausgasse 3–5
86152 Augsburg
Telefon: 0821/3166-8833
museum.st.afra@bistum-augsburg.de

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Sonntag/Feiertag 12–18 Uhr
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Ermäßigt 3,00 €*
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Führungen
Auf Anfrage (0821/3166-8833 oder museum.st.afra@bistum-augsburg.de)
 
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