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Darbringung im Tempel

Das Fest der Darstellung des Herrn feiert die katholische Kirche 40 Tage nach Christi Geburt, am 2. Februar. Früher bezeichnete man dieses Fest auch als Mariä Reinigung.

Nach Lk 2,22-39 musste der erstgeborene Knabe dem Herren im Tempel dargebracht und durch ein Geldopfer ausgelöst werden. Zugleich besagen die alttestamentlichen Reinheits-vorschriften aus dem Buch Levitikus (Lev 12,8), dass eine Frau nach der Geburt eines Sohnes 40 Tage als unrein galt und den Tempel nicht betreten durfte. Zum Reinigungsritual gehörten Opfergaben an den Priester, wie ein Schaf und eine Taube. Arme Leute konnten alternativ zwei Tauben opfern.

Ein farbig gefasstes Holzrelief aus dem 17. Jahrhundert im Besitz des Diözesanmuseums St. Afra vereint mehrere Ereig-nisse: Es zeigt die Heilige Familie bei der Darbringung im Tempel in Verbindung mit den Reinigungsopfern Mariens. Zugleich findet die Begegnung mit Simeon und der Prophetin Hanna statt, bei der das Kind als Messias offenbart wird. Ursprünglich war das Relief in eine leichte Hochovalform eingepasst und konnte von beiden Seiten betrachtet werden, möglicherweise war das Werk einst Zentrum einer Prozessionsstange.

Das untere Drittel der Darstellung wird von einem roten Kachelboden eingenommen, der durch seine perspektivische Fugengestaltung raumbildend wirkt. Die Arkadenarchitektur im rechten Hintergrund verortet die Szenerie in einem jüdischen Tempel. Kompositorischer und inhaltlicher Mittelpunkt ist der auf dem Altar dargebracht nackte Jesusknabe. Hinter diesem marmorierten Altar mit trapez-förmigem Grundriss steht Simeon, dem Betrachter frontal zugewandt, und hält das Jesuskind in seinen Händen. Über seinen goldenen Mantel und die goldene Mitra wird er als Hohepriester charakterisiert. Vor dem Altar verweist ein großer Korb mit zwei weißen Tauben nicht nur auf die Opfergaben zur Reinigung Mariens sondern gleichzeitig auch auf die Armut der Heiligen Familie.
Maria, im roten Gewand mit blauem Manteltuch und Schleiertuch, steht rechts neben dem Altar und bringt ihren Sohn dar. Ehrfürchtig kniet Josef vor dem Knaben auf dem Altar nieder. Im Hintergrund ist die Prophetin Hanna zu sehen, die, anders als Maria, mit offenen Haaren dargestellt wurde. Vom Heiligen Geist erfüllt, preist Simeon Jesus, den mensch-gewordenen Sohn Gottes. Während Maria und Josef sich ihrem Sohn zugewandt haben, vermitteln Simeon und die Prophetin Hanna die frohe Botschaft über ihre frontale Haltung und den offenen Blick aus der Bildebene heraus an den Betrachter vor dem Werk.

Um immer wieder der Darbringung Jesu im Tempel zu gedenken, betet die Kirche täglich in der Komplet des Stundengebets den Lobgesang des Simeon, das sogenannte "Nunc dimittis":
"Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel." Da an diesem Tag bis heute im Gottesdienst Kerzen geweiht werden und Lichterprozessionen stattfinden, heißt das Fest im Volksmund auch Maria Lichtmess.

VJ / EMB

Fotos: Richter und Fink

Holzrelief, 17. Jh. Darbringung im Tempel
Holzrelief, 17. Jh., Darbringung im Tempel, Detail Opfergaben
Holzrelief, 17. Jh., Darbringung im Tempel, Detail Simeon mit dem Jesusknaben
 

Diözesanmuseum St. Afra
Kornhausgasse 3–5
86152 Augsburg
Telefon: 0821/3166-8833
museum.st.afra@bistum-augsburg.de

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Sonntag/Feiertag 12.00–18.00 Uhr
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