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Das besondere Kunstwerk

Ein bislang unerforschtes Reliquienkreuz

Seit 1998 besitzt das Diözesanmuseum St. Afra eine bedeutende Leihgabe aus der Katholischen Filialkirchenstiftung Heilig Kreuz (DMA L 6 L). Es handelt sich um ein 40 Zentimeter hohes und 27 Zentimeter breites Reliquienkreuz aus Silber, das anhand von stilistischen Merkmalen in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert werden kann.

In der Mitte der Kreuzarme ist ein nahezu quadratisches, beidseitig mit Bergkristallplatten verschlossenes Kästchen zu sehen, in dem ursprünglich etliche Reliquien geborgen waren. Sie fehlen heute. Die Flächen der Kreuzarme sind vorderseitig mit unterschiedlichen Ornamenten verziert, vor die - in sehr flachem Relief - Figuren gestellt sind. An den Querarmen sind zwei Engel zu sehen, welche die Reliquien gleichsam präsentieren. Am unteren Kreuzstamm erscheinen die Heilige Helena und Heraklius: Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, hatte der Legende nach das Kreuz Christi aufgefunden, der byzantinische Kaiser Heraklius führte es nach einigen Kriegswirren 629/30 wieder nach Jerusalem zurück. Helena ist deshalb hier als Herrscherin mit Krone und Kreuz in ihrer Hand wiedergegeben, Heraklius sind mit Krone, Szepter und Weltkugel ebenfalls herrschaftliche Insignien beigegeben. Am oberen Kreuzarm ist eine Darstellung der Kreuzigung zwischen Assistenzfiguren sichtbar. Eine Büste Jesu erscheint im oberen Segment des bekrönenden Dreipasses. In den Dreipassenden des Kreuzes sind ferner runde Silbermedaillons appliziert, welche die Evangelistensymbole vorstellen. Das untere Medaillon mit dem Stier, der für den Evangelisten Lukas steht, ist verloren und wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt durch eine schmucklose Silberplatte ersetzt.

Noch vorhandene Reste von transluzidem Silberemail lassen das Bild eines einst in leuchtenden Blau-, Grün-, Violett-, Gelb-, Braun- und Rottönen prachtvoll verzierten Reliquiars entstehen. Sie sind größtenteils durchscheinend, so dass die darunter liegenden Gravuren, schraffierte Flächen und gepunktete Rautenfelder sichtbar sind und zur Verlebendigung des Gesamteindrucks beitragen. Diese Art der Emaillierung war im 14. Jahrhundert an vielen Orten Europas gebräuchlich, vor allem in Paris und anderen französischen Städten sowie am Ober- und Mittelrhein.

Die Rückseite des Kreuzes hatte diesen Emailüberzug ursprünglich nicht. Die Kreuzarme sind mit gravierten Quadraten geschmückt, in die ziselierte Andreaskreuze eingestellt sind. An den Enden sitzen Medaillons, die oben die Hand Gottes, links den Erzengel Gabriel und rechts die Maria der Verkündigung zeigen. Alle Darstellungen sind von Inschriften umgeben; das untere Medaillon besitzt ausschließlich eine Inschrift: Wir erfahren in lateinischer Sprache, welche Reliquien einst im Kreuz geborgen waren: vom Grabstein, von der Krippe, von der Geißelsäule und vom Stein, in dem das Kreuz Christi stand. In einer Darstellung des Reliquienschatzes von Heilig Kreuz aus dem Jahr 1625, in dem 105 Kupferstiche das opulente Heiltum eindrucksvoll vor Augen führen, werden für dieses Reliquienkreuz außerdem noch drei Kreuzpartikel erwähnt, die zu einem unbekannten Zeitpunkt in das Kreuz eingesetzt wurden, nachdem sie zuvor in einem anderen silbernen, 1194 entstandenen Reliquienkreuz aufbewahrt gewesen sind.

Im Zuge der bereits laufenden Vorbereitungen zu einer für das Frühjahr 2019 geplante Sonderausstellung zu Heilig Kreuz in Augsburg können hoffentlich durch die Auswertung von Archivalien noch offene Fragen zu diesem Reliquienkreuz geklärt werden, wie etwa, ob es einen Zusammenhang mit dem Patrozinium der Heilig Kreuz Kirche gibt.

Vorderseite des Reliquienkreuzes aus Heilig Kreuz, Foto: Norbert Liesz
Vorderseite des Reliquienkreuzes aus Heilig Kreuz
Rückseite des Reliquienkreuzes aus Heilig Kreuz, Foto: Norbert Liesz
Rückseite des Reliquienkreuzes aus Heilig Kreuz

Diözesanmuseum St. Afra
Kornhausgasse 3–5
86152 Augsburg
Telefon: 0821/3166-8833
museum.st.afra@bistum-augsburg.de

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Öffnungszeiten
Dienstag-Samstag 10–17 Uhr
Sonntag/Feiertag 12–18 Uhr
Montag geschlossen
 
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Erwachsene 4,00 €*
Ermäßigt 3,00 €*
Familienkarte 8,00 €
Jahreskarte 19,00 €
* bei Sonderausstellung abweichend
 
Führungen
Auf Anfrage (0821/3166-8833 oder museum.st.afra@bistum-augsburg.de)
 
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