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Das besondere Kunstwerk

Franz Nagel – Eva mit Kind

Das Bild in der typischen Sprache Franz Nagels (1. September 1907-22. März 1976) scheint auf den ersten Blick eine "Madonna mit Kind" zu zeigen. Tatsächlich handelt es sich aber um einen wohl 1949/50 entstandenen Entwurf für eine der Genesis-Szenen des 1950 ausgeführten Deckengemäldes in St. Maximilian in Augsburg, eine der ersten modernen, monumentalen Kirchenmalereien der Nachkriegszeit. Somit muss die Dargestellte als Eva angesprochen werden, wenngleich natürlich die Ähnlichkeit mit einer Madonna nicht unbeabsichtigt ist, sondern Eva als typologische Vorläuferin Mariens inszeniert. Dies bestätigte auch die Tochter der Künstlers, Eva Grund, die sich aus ihrer Kindheit noch erinnern kann, dass das zunächst privat im Haus des Künstlers aufgehängte Bild stets "Eva" genannte wurde.

1979 ehrte die Diözese Augsburg mit einer Gedächtnisausstellung am Aschermittwoch der Künstler den mit zahlreichen Arbeiten im Bistum vertretenen Franz Nagel (z. B. Dürrwangen, Maria Immaculata; Schopflohe, Heiligste Dreifaltigkeit; Augsburg-Haunstetten, St. Pius; Leitershofen, Exerzitienhaus; Weilach, Heilig Kreuz; Dillingen, Seminarkapelle St. Ulrich; Marktoberdorf, Schülerheim-Kapelle; Schongau, Verklärung Christi; Günzburg, Heilig Geist; Memmingen, Mariä Himmelfahrt; Stadtbergen, Maria-Hilf u. a.). Zu diesem Anlass schenkte die Ehefrau Nagels schließlich Bischofsvikar Achter, dem vormaligen Stadtpfarrer von St. Maximilian, das Bild "Eva mit Kind", das wohl zur Veranschaulichung der geplanten Deckenmalerei entstanden war. Aus dem Nachlass Achters gelangte das Bild dann über einige Zwischenstationen in das Diözesanmuseum St. Afra (DMA 2906).

 

In Vorbereitung auf die Struktur der Putzdecke verwendete Nagel für den Entwurf eine raue, 180cm hohe Rabitzplatte, die er zur Betonung der teils kubistisch anmutenden Strukturen auch einritzte (Rabitz ist die Bezeichnung für Drahtputz, bei dem auf eine tragende Metallkonstruktion über einem faserigen Träger Putzmörtel aufgetragen wird. Der Berliner Bautechniker Carl Rabitz entwickelte das Verfahren 1878). Aus den verschiedenen, klar abgegrenzten Farbflächen heraus entwickelt sich die Figur der "Eva" in hellem Weiß, mit nur leicht angedeutetem Inkarnat beim Kind und an den Beinen. Besonders das Rund der beiden Köpfe, mit den großen, fragenden Augen Evas, hebt sich auffällig von den eckigen, bruchstückhaften Flächenformen ab. Die Urmutter Eva wird so zur Chiffre für einen Neuanfang aus den Trümmern des Krieges heraus. Während Nagel für den Entwurf kühlere Farben wie Blau, Türkisgrün, Grau und Flieder einsetzt, verwendet er auf der Decke schließlich erdigere Töne in den Kreisen mit den Schöpfungsszenen, die sich von der restlichen Deckenfläche mit dem Rechteckmuster in zurückhaltenderer Farbigkeit abheben.

 

Auf der Decke in St. Maximilian entfaltet sich der volle Sinnzusammenhang, indem neben der sitzenden "Eva" noch "Adam" zu sehen ist, der mühevoll den Ackerboden bestellt. Die Szene schließt den Bildkreis von der "Erschaffung des Menschen", dem "Sündenfall" und der "Vertreibung aus dem Garten Eden" mit der Illustration von Gen 3,14-24, wo es in Bezug auf Eva heißt: "Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. / Unter Schmerzen gebierst du Kinder" und zu Adam spricht Gott: "So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. / Unter Mühsal wirst du von ihm essen". Der Name "Eva" bedeutet "Leben", und Nagel setzt der Konsequenz des Sündenfalls seine Eva entgegen, die bereits deutlich auf Maria, die neue Eva, und somit auch auf Christus, den neuen Adam, und die damit einhergehende Erlösung der Menschheit verweist, wie sie sich schließlich im "Auferstandenen" des Apsis-Freskos in St. Maximilian manifestiert.

Eva mit Kind, Franz Nagel, 1949/50; DMA 2906 (Foto: Siegfried Wameser)
Eva mit Kind, Franz Nagel, 1949/50; DMA 2906 (Foto: Siegfried Wameser)
In Schmerz wirst du deine Kinder gebären, Detail des Deckenbilds in St. Maximilian in Augsburg von Franz Nagel (Foto: Kirchliches Bauwesen und Kunst, Alberto Luisa)
In Schmerz wirst du deine Kinder gebären, Detail des Deckenbilds in St. Maximilian in Augsburg von Franz Nagel (Foto: Kirchliches Bauwesen und Kunst, Alberto Luisa)
Deckenbild „Schöpfungszyklus“ mit „Vision des Ezechiel“ im Zentrum, Franz Nagel mit Meisterschüler Rudolf Büder, 1950 (Foto: Kirchliches Bauwesen und Kunst, Alberto Luisa)
Deckenbild „Schöpfungszyklus“ mit „Vision des Ezechiel“ im Zentrum, Franz Nagel mit Meisterschüler Rudolf Büder, 1950 (Foto: Kirchliches Bauwesen und Kunst, Alberto Luisa)

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