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Das besondere Kunstwerk

Liturgische Geräte aus der Sonderausstellung „Zeichen des Aufbruchs“

Vitrine mit liturgischen Geräten in der Sonderausstellung "Zeichen des Aufbruchs"; Diözesanmuseum St. Afra, Foto: Norbert Liesz
Vitrine mit liturgischen Geräten in der Sonderausstellung Zeichen des Aufbruchs

Die aktuell im Diözesanmuseum St. Afra gezeigte Sonderausstellung "Zeichen des Aufbruchs" beschäftigt sich zwar in erster Linie mit Kirchenbau und Architektur seit 1960 im Bistum Augsburg. Ein Sonderraum bietet jedoch auch Einblicke in das überraschend reichhaltige Kunstschaffen dieser Zeit.
Zur unverzichtbaren Ausstattung jeder Kirche gehört neben Altar und Ambo das liturgische Gerät wie etwa Kelch, Hostienschale und Monstranz. Viele der um 1960 entstandenen Goldschmiedearbeiten gehen in ihrer Gestaltung auf Vorbilder der klassischen Moderne um 1920/30 zurück, als viele der Künstler ihre Ausbildung erhielten. Sie weisen nur wenige Brüche auf, die auf die Umschwünge im Zuge des zweiten Vatikanums hinweisen.
Im Kellergeschoss des Museums ist im Rahmen der Sonderausstellung eine Vitrine mit verschiedenen Beispielen dazu zu sehen, die hier kurz näher vorgestellt werden sollen.

Hostienmonstranz

süddeutsche Werkstatt
Messing, Bergkristall (?) und andere Halbedelsteine
um 1955
Diözesanmuseum St. Afra, Augsburg, DMA 4202

 

Die Hostienmonstranz kombiniert schlichte, klare Formen mit frühmittelalterlichen Motiven. Ein sechseckiger Bergkristall dient als Fuß für das Schaugefäß, dass von einer glatten Sonnenscheibe umgeben ist. Der Bergkristall wurde bereits im Mittelalter wegen seiner Reinheit für Kreuze und kostbare Gefäße geschätzt und erlebte ab der Mitte des 20. Jahrhunderts eine Renaissance.
Am Schaft sind stilisierte Adler montiert, die als Christus- und Auferstehungssymbol verstanden werden können. Die Monstranz stammt aus dem ehemaligen Studienseminar St. Ulrich in Dillingen an der Donau, sie entstand wohl anlässlich des Neubaus Mitte der 50er Jahre.

Hostienmonstranz, um 1955, DMA4202; Foto: Jürgen Bartenschlager
Hostienmonstranz, um 1955

Provisurgefäß und Provisurpatene

Hein Wimmer (1902-1986), Köln/Krefeld
Silber, (teils) vergoldet, Email
um 1960
Diözesanmuseum St. Afra, Augsburg, DMA 4607 und DMA 4608

Das kleine, runde Gefäß diente für die Aufbewahrung des Krankenöls für die Krankensalbung. Dazu wird meist geweihtes Olivenöl verwendet, worauf auch der Ölzweig im Schnabel der emaillierten Taube auf dem Deckel Bezug nimmt. Sterbende werden nicht nur gesalbt, sondern auch mit dem Sakrament der Buße und der Kommunion versehen (daher Versehgang/Provisur). Die Hostie dafür wird in der Provisurpatene aufbewahrt, die einen verschließbaren Deckel hat, damit der Priester sie zu dem Kranken transportieren kann. Hein Wimmer gestaltete diesen mit einem Zellenschmelzemail, das den Fisch als Christussymbol zeigt, der zusätzlich von dem Christusmonogramm XP (die griechischen Anfangsbuchstaben von "Christós") durchkreuzt wird.
Zunächst studierte Wimmer Naturwissenschaft und Kunstgeschichte in Köln, von 1927-1933 Gold- und Silberschmiede sowie Metallbildhauerei an der Kölner Werkkunstschule. Danach war er selbstständig tätig, schwerpunktmäßig im Bereich der sakralen Kunst. Nach dem Krieg lehrte er an der Werkkunstschule Krefeld, die letzten Jahre vor seiner Pensionierung 1967 als Professor.

Provisurgefäß und Provisurpatene, um 1960, DMA4607 und 4608; Diözesanmuseum St. Afra; Foto: Jürgen Bartenschlager
Provisurgefäß und Provisurpatene, um 1960

Hostienmonstranz aus Heilig Kreuz, Erhard Hößle, 1968; Diözesanmuseum St. Afra, Foto: Undine Fischer
Hostienmonstranz aus Heilig Kreuz, Erhard Hößle, 1968

Monstranz "Brennender Dornbusch"

Erhard Hößle (*1929), München
Silber, feuervergoldet, Glas, Diamant (?)
1968
Filialkirchenstiftung Heilig Kreuz, Augsburg

Die große und schwere Monstranz mit den erstarrten Flammenzungen wurde für Heilig Kreuz in Augsburg angefertigt. Wie Gott sich Mose im brennenden Dornbusch zu erkennen gab, so bildet die Monstranz den Rahmen für die Hostie, den wahren Leib Christi, der hier gleich doppelt erscheint. Die Monstranz besitzt zwei Schaugefäße, ein rundes für die geweihte Hostie und ein eckiges darunter für die Reliquienkapsel mit dem "Wunderbarlichen Gut von Heilig Kreuz".
Der Goldschmied Erhard Hößle, geboren in Memmenhausen (Kreis Günzburg), absolvierte Lehre und Studium von 1949 bis 1955 an der Akademie der Bildenden Künste in München. Von 1969 bis 1991 lehrte er als Professor für Gold- und Silberschmiede an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Als freischaffender Künstler war er in den 1950/60er Jahren häufig für die Kirche tätig, oft auch in Zusammenarbeit mit seiner Frau Therese, so etwa auch im Falle des ebenfalls im Diözesanmuseum ausgestellten Pektorales Bischof Josef Stimpfles. In einigen Kirchen des Bistums Augsburg, z.B. in St. Don Bosco in Augsburg und in der Kirche Zum Heiligsten Erlöser in Augsburg-Göggingen finden sich weitere seiner Werke, eine ähnliche Monstranz sowie ein Tabernakel im Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen.

Kelch mit Patene und Schale

Hermann Stadelmaier (1918-2012), Schwäbisch Gmünd
Silber, feuervergoldet
1968
Privatbesitz, Augsburg

Die Gefäße sind schlicht gehalten, nur der Kelch weist an der Kuppa eine gehämmerte und am Fuß eine gerillte Oberflächenstruktur auf. Im Vergleich zu dem ebenfalls gezeigten Dochtermann-Kelch verwendet Stadelmaier noch traditionellere Grundformen.
Die 1946 von Hermann Stadelmaier gegründete Werkstätte für kirchliche Silberschmiedekunst in Schwäbisch Gmünd besteht bis heute und wird in der zweiten Generation fortgeführt.
(auf dem Foto mit der gesamten Vitrine vorne rechts)

Kelch mit Patene und Löffel

Werkstätte Ulrich Dochtermann, Augsburg
Silber, teilvergoldet
1969/70
Werkstätte Ulrich Dochtermann, Augsburg

Die bereits 1869 gegründete Goldschmiede-Werkstatt Ulrich Dochtermann in Augsburg entwickelte um 1965 zunehmend eine eigenständige moderne Stilistik. Stücke mit der charakteristischen Meistermarke UD finden sich in zahlreichen Kirchen des Bistums. Heute wird die Werkstatt in der fünften Generation fortgeführt.
Der Kelch, dem eine Konsekrationsurkunde von Bischof Josef Stimpfle beiliegt, verzichtet auf jeglichen Prunk und Verzierung. Die Oberflächen sind handwerklich gehämmert, die Formen weich fließend und bewusst einfach gehalten, trotzdem kommen nur kostbare Materialen zum Einsatz.

Kelch mit Patene und Löffel, Werkstätte Ulrich Dochtermann, 1969/70; Diözesanmuseum St. Afra
Kelch mit Patene und Löffel, Werkstätte Ulrich Dochtermann, 1969/70

Entwürfe für drei Kelche

Werkstätte Ulrich Dochtermann, Augsburg
Messing, teils versilbert bzw. vergoldet
um 1975
Werkstätte Ulrich Dochtermann, Augsburg

Die drei experimentellen Kelchentwürfe lösen die traditionelle Kelchform auf und variieren eine schlichte klare Zylinderform. Anklänge an die klassische Aufteilung von Fuß, Schaft und Kuppa sind nur noch zu erahnen. Dekor und Ornamentik wurden zugunsten der reinen Ästhetik der Form aufgegeben.

Entwürfe für drei Kelche, Werkstätte Ulrich Dochtermann, um 1975; Diözesanmuseum St. Afra
Entwürfe für drei Kelche, Werkstätte Ulrich Dochtermann, um 1975

Diözesanmuseum St. Afra
Kornhausgasse 3–5
86152 Augsburg
Telefon: 0821/3166-8833
museum.st.afra@bistum-augsburg.de

Video Rundgang

Öffnungszeiten
Dienstag-Samstag 10–17 Uhr
Sonntag/Feiertag 12–18 Uhr
Montag geschlossen
 
Eintrittspreise
Erwachsene 4,00 €*
Ermäßigt 3,00 €*
Familienkarte 8,00 €
Jahreskarte 19,00 €
* bei Sonderausstellung abweichend
 
Führungen
Auf Anfrage (0821/3166-8833 oder museum.st.afra@bistum-augsburg.de)
 
Barrierefreiheit
Das Museum ist in seiner historischen Substanz nur bedingt barrierefrei und zu ca. 60% für Rollstuhlfahrer zugänglich

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